Tech-PR in den USA: „Oft der beste Weg: Fachmedien, Blogs und Influencer – kombiniert mit Thought Leadership Content“
Interview: Julie Wright, (W)right On Communication, USA –
(Tech PR in the USA: “Trade publications, blogs and influencers plus thought leadership content are often the best route” – download Englisch Version here)
In einer globalisierten Welt, in der sich Technologiebranchen und Medienlandschaften rasant verändern, ist es entscheidend, die unterschiedlichen Ansätze in der PR zu verstehen. Deshalb haben wir die Tech-PR-Agenturen aus unserem IPRN-Netzwerk gebeten, ihre Erfahrungen zu teilen, wie Öffentlichkeitsarbeit für das Tech-Business in ihren jeweiligen Märkten funktioniert. Die Sammlung von Perspektiven gibt einen spannenden Überblick über die unterschiedlichen Ansätze und Herausforderungen, mit denen PR-Profis weltweit konfrontiert sind. In dieser „Blogparade“ werfen wir einen Blick darauf, was die PR-Landschaft in verschiedenen Ländern prägt, mit dem Fokus auf effektiver Medienarbeit und der strategischen Kommunikation von Unternehmen.
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Im Interview erklärt Julie Wright von unserer Partneragentur (Wright) On Communications, dass sich US-Tech-Medien stark auf die „Magnificent Seven“ konzentrieren. Redaktionen schrumpfen, „Pay-to-Play“-Modelle nehmen zu und KI dominiert den Technologiediskurs. Politische Einflüsse wachsen und Unternehmen müssen sich in einer zunehmend unsicheren und schnelllebigen Umgebung behaupten. Erfolgreiche B2B-Tech-PR setze daher auf faktenbasierte Inhalte, visuelle Assets und strategische Kommunikation. KI optimiere PR-Prozesse, ersetze aber nicht menschliches Storytelling und Beziehungsmanagement.
Wie entwickeln sich der Technologiemarkt und das Geschäft mit den Technologiemedien in Ihrem Land?
Der US-amerikanische Technologiemarkt ist riesig, wettbewerbsintensiv und hat weltweiten Einfluss. In den USA konzentrieren sich führende Technologiemedien wie die New York Times und das Wall Street Journal auf die „Magnificent Seven“: Apple, Microsoft, Alphabet (Muttergesellschaft von Google), Amazon.com, Nvidia, Meta Platforms und Tesla. Tech-Autorinnen und Autoren sind damit beauftragt, jede Bewegung dieser Unternehmen zu verfolgen und über sie zu berichten. Diese Konzentration der Berichterstattung in Kombination mit immer kleiner werdenden Redaktionen führt dazu, dass nur noch wenige hochrangige Tech-Journalistinnen und Journalisten über Start-ups sowie mittelgroße Tech-Unternehmen berichten. Egal ob Kunden aus dem Bereich KI, Cybersicherheit, Cleantech, Fintech oder Medtech – in Medien-Pitches ist es ausschlaggebend, die Verbindung einer aufstrebenden Technologie oder eines Geschäftsmodells zu den Magnificent Seven aufzuzeigen, damit die Marke wahrgenommen wird.
Um eine kontinuierliche und relevante Berichterstattung in den Medien zu erreichen, ist die Kombination aus Platzierungen in Fachmedien, Blogbeiträgen, Influencer-Kooperationen und Though Leadership Content oft der beste Weg. Auch die Teilnahme an Messen mit Medienbriefings, Vortragsmöglichkeiten und Networking ist zielführend. Wenn diese PR-Maßnahmen gut geplant sind, können sie weniger bekannten Unternehmen dabei helfen, sich die Aufmerksamkeit der Top-Medien zu „erarbeiten“.
Was hat sich in den letzten 5 Jahren in der Tech-PR verändert?
Die Redaktionen in den USA werden kleiner. Einige Fachmedien wollen vermehrt „Pay-to-Play“-Geschäfte abwickeln, wenn redaktionelle Inhalte angeboten werden. Andere Medien nehmen wiederum gerne fundierte und aktuelle Inhalte von Branchenexpert:innen auf.
Die Entwicklungen rund um KI laufen rasant: Während das Metaverse vor zwei Jahren noch an der Spitze des Technologie-Hypes stand, wurde es mit dem Launch von ChatGPT in den Schatten gestellt. Und ChatGPT wiederum wurde bereits vom cinesischen DeepSeek disrumpiert.
Auch das politische Umfeld wird in die Tech-Diskussion einbezogen. Mit der neuen US-Regierung, in der ein Tech-Titan als „First Buddy“ (eine Anspielung auf die traditionelle Rolle der „First Lady“) auftritt, verschmelzen Tech-Kultur und Politik. Darüber hinaus hat der neue Präsident versprochen, der „Krypto-Präsident“ zu werden.
Welchen PR-Ansatz bevorzugen Sie für die Ansprache von Technikmedien?
Unser Schwerpunkt bei (W)right On Communications liegt auf B2B-Technologie-PR. Wir gehen mit einer Dienstleistungsmentalität an die Medien heran und wollen es unseren Ansprechpartner:innen leicht machen, eine interessante Geschichte zu erzählen. Journalist:innen haben heutzutage die Aufgabe, mit weniger Ressourcen mehr zu leisten. Mit diesem Verständnis unterstützen wir unsere Kunden, um ihre Botschaften bestmöglich zu verbreiten. Oft informieren wir über Innovationen – Elektrifizierung von Fahrzeugen, Neuerungen in der Batterietechnologie oder der Cybersicherheit. Wir nutzen zur Unterstützung visuelle Elemente wie Diagramme und Fotos, um Redakteur:innen umfangreiche Rich-Media-Optionen für eine attraktive Geschichte zu bieten, die auf verschiedenen Plattformen in unterschiedlichen Formaten veröffentlicht werden kann.
Welche Veränderungen erwarten Sie und wie werden Technologieunternehmen darauf reagieren müssen?
KI wird ein Störfaktor in der gesamten Technologielandschaft bleiben. Unternehmen weltweit agieren in einer volatilen und komplexen Welt, in der Verbraucher:innen immer weniger Vertrauen in traditionelle Instanzen haben. KI könnte den Vertrauensverlust in die Technologie beschleunigen. Deepfakes und KI- sowie Bot-gesteuertes Hacking tragen dazu bei. Technologieunternehmen müssen sich also zunehmend in einem Umfeld wachsender Veränderungen und Unklarheiten zurechtfinden, was ein Gefühl von Unsicherheit mit sich bringt. Für Kommunikationsfachleute im Technologiebereich ist es daher unerlässlich, stets auf dem neuesten Stand zu bleiben und auch ihre Kunden fortlaufend zu informieren. Denn Veränderungen können direkten Einfluss unter anderem auf die Art der Kommunikation, den Veröffentlichungszeitpunkt von Informationen oder die Teilnahme an Veranstaltungen haben.
Welche Rolle schreiben Sie der KI in der Tech-PR zu?
Künstliche Intelligenz ist allgegenwärtig und revolutioniert die Öffentlichkeitsarbeit ebenso wie andere Branchen – von der Technologie über das Bank- bis hin zum Bildungswesen. Eine kürzlich durchgeführte Umfrage ergab, dass drei von vier Kommunikator:innen regelmäßig KI einsetzen. KI ist ein leistungsstarkes Instrument zur Optimierung der Öffentlichkeitsarbeit, aber der eigentliche Wert liegt nach wie vor in menschlicher Expertise, Storytelling, Beziehungen und strategischem Denken. Gute PR-Teams wissen, wie sie KI einsetzen, um ihre Arbeit zu verbessern und nicht, um sie zu ersetzen. Bei (W)right On Communications helfen wir unseren Kunden dabei, sich in der PR-Landschaft zurechtzufinden, indem wir KI mit unseren persönlichen Beziehungen und unserer fundierten Branchenkenntnis kombinieren. Unser Experte im Bereich B2B und Technologie hat soeben über dieses aufkommende Thema geschrieben. Der komplette Artikel ist hier zu finden: “Kluge PR-Teams nutzen KI – aber mit Bedacht“.
Expertin:
Julie Wright ist President von (W)right On Communications, sie gründete die Agentur im Jahr 1998. Sie ist derzeit Mitglied des Vorstands der California Travel Association und ehemalige Vorsitzende des San Diego North Economic Development Council. Sie wurde 2024 zu einer der Top-Marketing-Führungskräfte in San Diego ernannt. (W)right On Communications wurde in die Liste der besten PR-Agenturen Amerikas von Newsweek und der besten PR-Agenturen von Forbes aufgenommen sowie zum San Diego PR Team of the Year ernannt.
Kontakt: Julie Wright auf LinkedIn.