Tech PR in Frankreich: „Trotz Digitalisierung in der PR-Branche bleiben persönliche Kontakte von entscheidender Bedeutung“
Interview: Estelle Monraisse, Mascaret Partners, Paris –
(Tech PR in France: “Despite the digitalization of the industry, human relationships remain fundamental” – download English version here)
In einer globalisierten Welt, in der sich Technologiebranchen und Medienlandschaften rasant verändern, ist es entscheidend, die unterschiedlichen Ansätze in der PR zu verstehen. Deshalb haben wir die Tech-Agenturen aus unserem IPRN-Netzwerk gebeten, ihre Erfahrungen zu teilen, wie Öffentlichkeitsarbeit in ihren jeweiligen Märkten funktioniert. Die Sammlung von Perspektiven gibt einen spannenden Überblick über die unterschiedlichen Ansätze und Herausforderungen, mit denen PR-Profis weltweit konfrontiert sind. In dieser „Blogparade“ werfen wir einen Blick darauf, was die PR-Landschaft in verschiedenen Ländern prägt, mit dem Fokus auf effektive Medienarbeit und die strategische Kommunikation von Unternehmen.
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Im Interview betont Estelle Monraisse von unserer Partner Agentur Mascaret Partners, dass Tech-PR in Frankreich maßgeschneiderte Ansätze und enge Medienbeziehungen erfordert. Trotz Digitalisierung seien persönliche Kontakte entscheidend. Dabei unterstütze KI PR-Profis zwar bei der Medienarbeit, könne sie aber nicht ersetzen.
Wie entwickeln sich der Technologiemarkt und das Geschäft mit den Technologiemedien in Frankreich?
Heute dominieren DeepTechs, KI und Cybersicherheitsthemen die Landschaft der Technologiemedien in Frankreich. Alle reden über KI und Cybersicherheit, wobei auch Web3 und Blockchain auf großes Interesse stoßen. KI ist eines der Themen, für die sich die Medien am meisten interessieren und Cybersicherheit ist aufgrund der täglichen Bedenken hinsichtlich Daten und Cyberangriffen sehr präsent. Dieser Trend lässt nicht nach, insbesondere durch Veranstaltungen wie den AI Summit am 10. und 11. Februar 2025 in Paris. Auch Investmentfonds verlagern ihren Fokus auf diese Bereiche, sodass sich Start-ups im Bereich KI oder Cybersecurity leichter Mittel beschaffen können als beispielsweise in den Bereichen Mode oder Lebensmittel. Das Interesse an grüner Technologie scheint dagegen zu sinken, es sei denn, es gibt eine konkrete, messbare Anwendung.
Was hat sich in den letzten 5 Jahren in der Tech-PR verändert?
Die Beziehung zwischen PR-Agenturen und Journalist:innen hat sich nach COVID erheblich verändert. Beispielsweise haben die Medien jetzt mehrere Redaktionssitzungen im Laufe des Tages (statt nur einer Sitzung am Morgen), was unsere Arbeitsorganisation als Agentur und die Fristen verändert. Früher konnten Pressemitteilungen einige Tage im Voraus verschickt werden, jetzt sind dafür 10 bis 15 Tage erforderlich. Außerdem sind viele Technikjournalist:innen „aus dem Geschäft ausgestiegen“, sodass es noch wichtiger geworden ist, effizient zu arbeiten und die Engpässe der Journalist:innen zu verstehen. Darüber hinaus hat es im Mediensektor in Frankreich seit 2020 erhebliche Entlassungen gegeben. Auch der Einfluss von X (ehem. Twitter) hat abgenommen, da sich viele Unternehmen und Medienunternehmen von der Plattform abwenden, mit Ausnahme des Krypto-Blockchain-Sektors.
Welchen PR-Ansatz bevorzugen Sie für die Ansprache von Technikmedien?
Bei Mascaret verfolgen wir einen sehr qualitativen und personalisierten Ansatz. Wir bevorzugen Exklusivberichte und bieten ausgewählten Journalist:innen einzigartige Geschichten an. Dieser persönliche Ansatz, bei dem maßgeschneiderte Inhalte bereitgestellt werden, wird sehr geschätzt. Es geht darum, die richtigen Informationen an die richtigen Journalist:innen zu liefern und dabei Fristen und Themenschwerpunkte zu berücksichtigen.
Welche Veränderungen erwarten Sie und wie werden Technologieunternehmen darauf reagieren müssen?
Man darf nicht vergessen, dass die Pressearbeit kostenlos ist und Journalist:innen uns keine Berichterstattung schulden. Wir müssen ihnen also das bieten, was sie entsprechend ihrer redaktionellen Ausrichtung benötigen, seien es Wirtschaftsdaten oder technologische Anwendungsbeispiele. Es ist besser, einmal im Monat eine interessante Geschichte zu liefern, als sie häufigen mit irrelevanten Vorschlägen zu überhäufen. Verfügbarkeit und Reaktionsfähigkeit sind von entscheidender Bedeutung, um sicherzustellen, dass Journalist:innen die benötigten Informationen umgehend erhalten. Trotz Digitalisierung in der PR-Branche bleiben persönliche Kontakte von entscheidender Bedeutung.
Welche Rolle schreiben Sie der KI in der Tech-PR zu?
KI ist zu einem essenziellen Hilfsmittel geworden, das alle notwendigen Elemente für Pressemitteilungen oder für die Vorbereitung von Interviews sammelt. Sie spart Zeit bei der Erstellung von Dokumenten und ermöglicht es PR-Fachleuten, sich auf den Aufbau von Beziehungen, die Aushandlung von Themen und die Generierung von Ideen zu konzentrieren. Die Kunst besteht darin, Wege zu finden um Nachrichten zu erstellen oder aktuelle Ereignisse zu nutzen, auch wenn Kund:innen keine unmittelbaren Neuigkeiten zur Verfügung stellen.
Expertin:
Estelle Monraisse ist Senior Partnerin bei Mascaret Partners und Leitung von Alter’Com, der PR-Tochtergesellschaft. Estelle ist in der PR-Branche für ihre ausgeprägte Expertise im Bereich Medienarbeit seit der Gründung von Alter’Com im Jahr 1993 hoch angesehen. Sie hat über 30 Jahre Erfahrung in der Medienarbeit; primär in der Zusammenarbeit mit führenden Unternehmen in den Bereichen E-Commerce, Lebensmitteltechnologie, Gesundheit-Wellness-Biotechnologie, Fintech, Tourismus und erneuerbare Energien.
Kontakt: Estelle Monraisse auf LinkedIn.